Was ist Industrial DevOps?

Industrial DevOps steht für die Anwendung von DevOps‑Prinzipien auf industrielle Automatisierungs­systeme – also auf SPS/PLC‑Entwicklung, SCADA, DCS und cyber‑physische Systeme. Es geht um Continuous Delivery für industrielle Anlagen, inklusive Entwicklung, Deployment und Serviceability. Industrial DevOps ist die konsequente Integration von Software‑Engineering‑Praktiken in die OT-Welt, um Entwicklungszyklen zu beschleunigen und Fehler zu reduzieren.

Typische Ziele sind dabei:

Weniger Stillstandzeiten

Höhere Softwarequalität

Mehr Transparenz in industriellem Code

Sicherere Deployments

Beschleunigte Änderungsprozesse

Warum ist Industrial DevOps jetzt so geschäftskritisch?

Der State of Industrial DevOps Report 2024 von Copia zeigt eindrucksvoll die Dringlichkeit:

  • 4,2 Mio. USD Kosten pro Stunde Downtime
  • Durchschnittlich 30 Stunden Produktionsstillstand pro kritischem Fehler
  • 78 % der Unternehmen nutzen weiterhin Ad‑hoc‑Fixes in PLC‑Code
  • 97 % wünschen sich moderne DevOps‑Tools für industrielle Software

Diese Zahlen zeigen klar, wie wertvoll transparente Versionierung, automatisiertes Testen und strukturierte CI/CD‑Pipelines für PLC‑Code wären.

Aspekte des Industrial DevOps:

Die folgenden Best Practices sind eine Synthese aus technischen Unterlagen, wissenschaftlichen Quellen und Branchenreports:

Versionierung & Traceability

Viele OT‑Teams arbeiten noch ohne moderne Versionskontrolle. Das bedeutet, dass in OT-Teams erhebliche Risiken entstehen. Mit Versionierung lassen sich Änderungen an Software oder Konfigurationen sich nicht lückenlos nachvollziehen, Fehler können schwer identifiziert und rückgängig gemacht werden, und im Ernstfall fehlen zuverlässige Backups. Es steigt nicht nur die Fehleranfälligkeit, sondern auch die Gefahr von Produktionsausfällen und Sicherheitslücken.

Letztlich erschwert das Fehlen einer strukturierten Versionskontrolle den kontrollierten und sicheren Betrieb industrieller Anlagen erheblich.

Unsere Best Practices:

  • Quellstände, Bibliotheken, Konfigurationen, Parameter, Rezepturen versionieren
  • Tags/Releases und ein klarer Audit-Trail: Wer hat was wann warum geändert?
  • Git‑ähnliche Workflows für SPS‑Projekte

Continuous Integration: Automatisieren, was automatisierbar ist

Während Continuous Integration (CI) in der klassischen IT längst Standard ist, steht die OT vor besonderen Herausforderungen: Unterschiedliche Systemlandschaften, proprietäre Engineering-Tools und hohe Anforderungen an Verfügbarkeit und Sicherheit machen die Einführung von CI-Prozessen komplexer.

Dennoch bietet die Automatisierung von Build-, Test- und Freigabeprozessen erhebliche Vorteile, etwa eine höhere Nachvollziehbarkeit von Änderungen, schnellere Fehlererkennung und einen kontrollierten, reproduzierbaren Ablauf – wichtige Voraussetzungen für den modernen Betrieb industrieller Anlagen.

Unsere Best Practices:

  • Static Checks (Konventionen, Export-Checks, Policy)
  • Build/Compile/Export (wo möglich)
  • Simulation/Teststand (zuerst die riskantesten Funktionen)
  • Artefaktablage (immutable, identifizierbar)
  • Gates (Freigaben nach Kritikalität)

Continuous Delivery: Staged Rollouts statt „Big Bang“

Continuous Delivery (CD) ist ein wichtiges Prinzip der modernen Softwareentwicklung und wird auch im OT-Bereich zunehmend relevant. Ziel ist es, Softwareänderungen kontrolliert und kontinuierlich einzuführen, um Risiken zu minimieren. Im OT-Umfeld bedeutet dies, neue Versionen schrittweise und sicher auszurollen, wodurch Anlagenverfügbarkeit und Sicherheit erhöht werden.

Unsere Best Practices:

  • Staging (virtuelle Zelle/Teststand/Pilotlinie)
  • Freigaben entlang Risiko-Klassen
  • Rollback-Plan als Pflichtbestandteil

Security‑First: DevSecOps für Industrieanlagen

Gerade im industriellen Umfeld kann bereits eine kleine Schwachstelle gravierende Folgen für die Produktion, die Sicherheit von Mitarbeitenden und die Integrität sensibler Daten haben. Daher muss Security von Anfang an als integraler Bestandteil aller Entwicklungs- und Betriebsprozesse verstanden werden – und nicht erst als nachträglicher Zusatz.

Jede Änderung kann sicherheitskritisch sein. Cybersecurity‑Vorfälle sind einer der Hauptgründe für Produktionsstillstände.

Unsere Best Practices:

  • Security‑Scans in jeder Pipeline
  • SBOMs auch für Industriecode
  • Härtung von Engineering‑Workstations
  • Least‑Privilege‑Konzepte

Kulturwandel & cross‑funktionale Zusammenarbeit

In der industriellen Umgebung müssen Silos aufgebrochen und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachbereichen wie IT, OT, Entwicklung und Betrieb aktiv gefördert werden. Nur durch eine offene Kommunikation, gegenseitiges Vertrauen und gemeinsame Verantwortung können innovative Ansätze entstehen, die Sicherheit und Effizienz nachhaltig verbessern.

Cross-funktionale Teams sind dabei der Schlüssel: Sie bündeln unterschiedliche Kompetenzen und Perspektiven, ermöglichen einen ganzheitlichen Blick auf Herausforderungen und schaffen die Basis für kontinuierliche Verbesserung. Der Weg zu Industrial DevOps ist somit auch eine Reise hin zu einer neuen Arbeitskultur, in der Zusammenarbeit und Lernbereitschaft im Mittelpunkt stehen.

Der Kulturwandel ist die größte Herausforderung – nicht die Technik.

Industrial DevOps ist kein Trend – es ist ein Muss!

In einer Zeit, in der Flexibilität, Sicherheit und Effizienz entscheidende Wettbewerbsvorteile darstellen, reicht es nicht mehr aus, bewährte Vorgehensweisen aus der Vergangenheit beizubehalten.

Industrial DevOps liefert einen ganzheitlichen Ansatz, um die Kluft zwischen IT und OT zu überbrücken, Prozesse zu automatisieren und Sicherheitsaspekte frühzeitig zu integrieren. Dieses Zusammenspiel ist kein vorübergehender Trend, sondern eine unverzichtbare Grundlage für den nachhaltigen Erfolg moderner Industrieunternehmen.

Industrial DevOps ist der Schlüssel, um

  • Anlagen sicherer,
  • Software robuster,
  • Teams effizienter und
  • Produktionsprozesse resilienter

zu machen.

Frau in Anzug mit Tablet zeigt Daumen hoch, symbolisiert erfolgreiche CI/CD Prozessoptimierung und Sicherheitsberatung mit Jenkins.

Gehen Sie den nächsten Schritt!

Wenn Sie Industrial DevOps in Ihrem Werk nicht nur diskutieren, sondern strukturiert einführen möchten, unterstützt Sie die Comquent Academy – vom Assessment über die Roadmap bis zur Umsetzung. Wir verbinden Versionierung, CI/CD für OT, Release-Management und Security-First (DevSecOps/IEC 62443-orientiert) zu einem praxistauglichen Vorgehen, das zu Ihren Rahmenbedingungen passt. In Workshops, Trainings und Projektbegleitung erhalten Sie Regeln, Templates, Tool-Entscheidungen sowie einen belastbaren Pilot-Plan für die ersten Schritte.

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    Datenschutzbestimmungen

    Was ist der Unterschied zwischen DevOps in IT und Industrial DevOps in OT?

    In der OT stehen Safety, Anlagenverfügbarkeit und geplante Wartungsfenster stärker im Vordergrund als schnelle Release-Zyklen. Industrial DevOps übernimmt DevOps-Prinzipien, ergänzt sie aber um strengere Governance, nachvollziehbare Änderungen und risikominimierte Rollouts (z. B. über Staging/Pilotierung).

    Wie versioniert man SPS/PLC-Projekte revisionssicher?

    Man versioniert nicht nur „Quellcode“, sondern auch Tool-Versionen, Bibliotheken, Gerätekonfigurationen und freigegebene Binär-/Projektartefakte, sodass ein Stand reproduzierbar ist. Revisionssicherheit entsteht durch klare Namens-/Tagging-Konventionen, nachvollziehbare Freigaben (Reviews/Sign-offs) und eine unveränderliche Artefaktablage pro Release.

    Welche CI-Schritte sind in OT realistisch, auch mit proprietären Tools?

    Realistisch sind automatisierte Exporte/Builds, statische Prüfungen (z. B. Namensregeln, Strukturchecks), Abhängigkeits-/Lizenzchecks und das Erzeugen eindeutig versionierter Artefakte inkl. Release-Notizen. Wo „klassische“ Unit-Tests fehlen, helfen zumindest Simulationen/Emulationen, Hardware-in-the-Loop-Runs oder regelbasierte Qualitätsgates als CI-Ersatz.

    Wie sieht ein sicheres Staging-Modell (Teststand → Pilotlinie → Produktion) aus?

    Ein sicheres Modell trennt Umgebungen technisch und organisatorisch, nutzt pro Stufe klare Eintrittskriterien (Tests/Abnahmen) und erlaubt nur definierte Change-Fenster. Jede Stufe verwendet die gleichen Artefakte (nicht neu gebaut), damit sich Risiken nicht durch Umgebungsunterschiede einschleichen.

    Wie plant man Rollback im OT-Umfeld praktisch?

    Rollback bedeutet, dass du für jede Änderung einen getesteten Rückweg definierst: welche Version, welche Parameter/Rezepte, welche Downtime und welche Verantwortlichkeiten. Praktisch wird es durch „goldene“ Referenzstände, Backups/Images, dokumentierte Wiederanlaufprozeduren und einen Probelauf des Rollbacks in einer Vorstufe.

    Welche Security-Kontrollen gehören in jede OT-Pipeline (IEC-62443-orientiert)?

    Mindestens gehören dazu: strikte Zugriffskontrollen (Least Privilege), Signierung/Integritätsprüfungen von Artefakten, nachvollziehbare Freigaben sowie ein belastbarer Audit-Trail über Änderungen und Deployments. Ergänzend sind Schwachstellen-/Abhängigkeitschecks, Secrets-Handling (keine Passwörter im Repo) und eine klare Trennung von Build-, Test- und Deploy-Rechten sinnvoll.

    Welche Artefakte müssen für Audit/Traceability gespeichert werden?

    Gespeichert werden sollten u. a. Quellstände (Commit/Tag), erzeugte Artefakte (Exports/Binaries), Build-Logs, Tool- und Abhängigkeitsversionen sowie Freigabeprotokolle (wer hat was wann geprüft/abgenommen). Zusätzlich helfen Change-Tickets, Release Notes, Testprotokolle und Konfigurationssnapshots, um jede Änderung bis zur Maschine/Station zurückzuverfolgen.

    Wie startet man in 90 Tagen ohne Produktionsrisiko?

    Man beginnt mit einem Pilot-Scope (eine Linie/Anlage oder ein Subsystem), baut eine minimale „Golden Path“-Pipeline und führt Staging/Pilotierung mit klaren Gates ein, bevor irgendetwas produktionsnah ausgerollt wird. Parallel werden Rollen, Freigaben, Change-Fenster und Rollback-Prozesse definiert, sodass die Produktion erst dann betroffen ist, wenn der Ablauf in Vorstufen stabil läuft.

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